Dacia vor dem Scheideweg

Immer schärfere Vorschriften der EU, teils sinkende Absatzzahlen und der politisch gewollte Umstieg auf Elektromobilität: Die Automobilbranche steht vor einem Umbruch, wie es ihn bisher wahrscheinlich noch nicht gab. Während sich einige Hersteller dank ihrer breiten Modellpalette un den bereits gesammelten Erfahrungen als gut gerüstet sehen, versuchen andere Hersteller Partner für Allianzen zu finden (wie zum Beispiel aktuell Fiat). Wieder andere müssen sich Gedanken machen, wie sie sich in Zukunft positionieren möchten.

Zur letzteren Gruppe gehört der Automobilhersteller Dacia. Dieser konnte in den letzten Jahren große Erfolge verzeichnen und hat sich für Renault als echter Glücksgriff erwiesen. Die Entscheidung, preisgünstige Autos zu verkaufen, die nur das notwendigste bieten,  war genau richtig. In Kombination mit einer überschaubaren Modellpalette und nur wenigen Konfigurationsmöglichkeiten konnte Dacia trotz des geringen Preises ordentliche Gewinne einfahren. Doch nun scheint sich das Blatt langsam zu wenden und im Vorstand muss man sich entscheiden, wo man mit der Marke hin will. Immer neuere und schärfere Vorschriften machen es notwendig, teurere Technologien und Assistenzsystem zu verbauen. Dies wirkt sich natürlich auch auf den Preis aus und könnte potentielle Käufer abschrecken.

Möchte Dacia in der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz weiterhin der „Billiganbieter“ bleiben, müssen die anderen Marken die Preise anziehen, höherwertigere Materialien und mehr Konfigurationsmöglichkeiten bieten, damit der Abstand gewahrt bleibt und ein Kannibalismuseffekt verhindert wird. Allerdings ist man sich auch bewusst, dass man nicht zu kräftig an der Preisschraube drehen darf, da sonst die Kunden wegbleiben. Erschwerend kommt hinzu, dass Dacia und Renault doch recht ähnliche Modelle haben. So wird zum Beispiel der Sandero III auf dem Clio V basieren (genauer gesagt auf der CMF-B Plattform). Auch der Dokker und der Kangoo ähneln sich (zumindest optisch, technisch haben beide Fahrzeuge eine unterschiedliche Basis). Der Clio V Grandtour wird wohl vom Markt verschwinden – wahrscheinlich ist einfach die Konkurrenz vom kommenden Logan MCV III zu groß.

Uneinig scheint man sich auch über die zukünftigen Modelle zu sein. Zwar ist inzwischen bereits offiziell bekannt gegeben worden, dass es den K-ZE auch in Europa geben werden, doch ob als Renault oder als Dacia, ist noch nicht bekannt. Passen würde er zu Renault und zu Dacia. Klar ist aber auch, dass man sich bei Dacia in näherer Zukunft über alternative Antriebstechnologien Gedanken machen muss. Wohin die Reise gehen wird, weiß heute aber noch niemand.

Was auch kommen wird, Dacia muss sich dem Markt anpassen. Langfristig werden wir auch hier Fahrzeuge mit Elektroantrieb sehen und Dacia hat dank Renault die Chance, der günstige Anbieter für Elektrofahrzeuge überhaupt zu werden. Die Technik ist ja schließlich im Konzern vorhanden. Günstige Materialien, eine effiziente Verarbeitung und Konzentration auf das Wesentliche werden einen günstigen Preis ermöglichen. Dieser wird allerdings langfristig über dem Preis der aktuellen Modelle liegen.



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